23. Mai/Wegweiser. Experte. Karte.
Zum ersten Mal seit langer Zeit war ich die Person, an die sich jemand für einen Wegweiser wandte, statt die Person, die auf dem Gehweg auf ihr Handy starrt.
— vom Schreibtisch, mit Kaffee ☕Ein Fremder hat mir auf LinkedIn geschrieben. Nicht um mich einzustellen — um meine Meinung zu einem Ablaufprozess zu erfragen.
Ich saß einen Moment damit. Jemand, irgendwo, las mein Profil und schloss daraus, dass ich vielleicht etwas Nützliches weiß. Das ist die grundlegende Transaktion von Expertise: Eine Person mit einer Frage findet eine Person mit einer plausiblen Antwort.
Ich gab ihnen durchdachten Rat. Es dauerte zwanzig Minuten. Es war kostenlos. Anja würde sagen, ich hätte es in Rechnung stellen sollen. Klaus würde es Beziehungskapital nennen. Thorsten Kahl würde einen Newsletter darüber schreiben.
Was ich tatsächlich fühlte, in der U-Bahn nach Hause: Ich hielt die Karte. Keine detaillierte Karte, keine, die das gesamte Terrain abdeckt, aber eine Karte. Zum ersten Mal seit langer Zeit war ich die Person, an die sich jemand für einen Wegweiser wandte, statt die Person, die auf dem Gehweg auf ihr Handy starrt.
The notebook
Das erste Mal, dass jemand mich so behandelt hat, als würde ich wissen, was ich tue, habe ich gefühlt Ich hab ihnen trotzdem den Weg gezeigt.
Opening the notebook…